

Auftraggeber
Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Baden-Württemberg
Projektinhalt
Wirtschaftlichkeit sowie ökologische Folgen von Besatzmaßnahmen in Binnengewässern.
Ziel
Diskussionsbeitrag für eine mögliche Novellierung des Landesfischereigesetzes von Baden-Württemberg.
Zusammenfassung
Fischbesatz ist als bestandsverbessernde Maßnahme für bodenständige Fischpopulationen nicht geeignet. Der Nachweis eines quantitativen Zusammenhanges zwischen Besatztätigkeit und Fangerfolg kann mit Ausnahme des Aalbesatzes nicht erbracht werden. Aus der Schlussfolgerung, dass Besatz nicht ertragssteigernd wirkt, folgert nicht, dass er folgenlos ist. Die ökologischen Auswirkungen von Besatzmaßnahmen sind vielfältig. In jüngster Zeit treten die Auswirkungen von Fischbesatz auf die genetische Diversität heimischer Fischarten in den Vordergrund. Mit der Unterzeichnung der Konvention von Rio hat sich Deutschland verpflichtet, die biologische Vielfalt einschließlich ihrer genetischen Ressourcen zu schützen. Beispielsweise sind die negativen Auswirkungen von Fischbesatz auf die genetische Evolution der Bachforelle belegt. Daher ist der Bestandsschutz lokaler Fischbestände, die genetisch als unbeeinflusst gelten können, als vorrangiges Ziel zum Erhalt der biologischen Vielfalt einzustufen.
Weitere Informationen erhalten Sie über die Internetseite des NABU Baden-Württemberg.
Informieren Sie sich auch über die Wanderfische Baden-Württembergs. Besonders „spannend” auf dieser Seite ist die Live-Kamera mit Blick in den Fischpass in Iffezheim.
Veränderung der Fischfauna |
Für Baden-Württemberg werden heute 65 Fischarten angegeben. 17 davon gelten als nicht heimisch (z. B. Bachsaibling, Regenbogenforelle, Graskarpfen, Zander, Zwergwels, Sonnenbarsch, Hundsfisch und andere). |
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Räuberdruck |
Besatzfischarten sind meist Fischräuber und üben starken Räuberdruck auf Bachneunaugen, Bachschmerlen, Elritzen, Schlammpeitzger, Steinbeißer, Schneider sowie Jungfische aus. Diese Tatsache ist durch Studien belegt. |
Veränderung der genetischen Identität |
Erfolgreich reproduzierende Besatzfische verändern die genetische Identität der bodenständigen Fischpopulation. Die Vereinheitlichung genetischen Materials führt zu einem Verlust an genetischer Vielfalt und einer Reduktion der Biodiversität. |
Veränderung der Lebensraumes |
Reduktion des Pflanzenbestandes durch Graskarpfen, Förderung der Seeeutrophierung durch starken Felchenbesatz (Coregonus sp.), Trübung von Quellgewässern und Rückgang der Wasserpflanzenbestände durch Karpfenbesatz. |
Konkurrenz um Laichplätze |
Reproduzierende Bestände von Regenbogenforellen und Bachsaiblingen konkurrieren mit heimischen Bachforellen um die selben Laichplätze. |
Krankheiten und Parasiten |
Gefährdung heimischer Aalbestände durch eingeschleppten Schwimmblasenwurm (Anguicolla crassus); Beinah-Ausrottung heimischer Edelkrebse (Astacus astacus) durch die den Krebspesterreger übertragenden amerikanischen Flusskrebse. |
Beeinträchtigung von Amphibien |
Hohe Fischbestände in fischereilich genutzten Gewässern gefährden den Reproduktionserfolg von Grasfrosch, Laubfrosch und Springfrosch. |
Gefährdung der Wirbellosenfauna |
Direkte Gefährdung von Libellenlarven, Wasserwanzen und Wasserschnecken nachgewiesen. Indirekte Gefährdung der Flussperlmuschel, da sich ihre Larven (Glochidien) in den Kiemen von dänischen Zuchtbachforellen nicht einnisten können. |


